Die Anamnese


In der Neurologie stellt das Anamnese Gespräch einen wichtigen Teil der Befundaufnahme dar. Es geht dabei nicht nur um die exakte Erfassung der Vorgeschichte des Patienten. Die Befragung bietet dem Therapeuten auch die Möglichkeit, Körpersprache und -haltung des Patienten sowie eventuell auftretende vegetative Funktionsstörungen, z. B. Erröten oder Schwitzen, als wichtige Hinweise auf das Krankheitsbild zu werten. Mit anderen Worten, es geht bei diesem Gespräch nicht nur darum, was der Patient sagt, sondern auch darum, wie er es sagt. Auf diese Weise kann in Einzelfüllen eine Diagnose gestellt werden, ohne dass aufwendige diagnostische Untersuchungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Familienanamnese

Sie darf auf keinen Fall vernachlässigt werden, da zahlreiche Erkrankungen des peripheren Nervensystems vererbt werden. Möglichst genau ist auch nach gehäuftem Auftreten von Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus, und nach Herz- und Kreislauferkrankungen zu fragen, da sie die Ursache einer neurologischen Krankheit sein können.

Eigenanamnese

Die Eigenanamnese umfasst zunächst Fragen zu den Geburtsumständen, der frühkindlichen Entwicklung und den Erkrankungen im Kindes- und Erwachsenenalter. Häufig lassen sich daraus bereits Rückschlüsse auf die jetzt geklagten Beschwerden ziehen. Unbedingt notwendig sind exakte Angaben zu Alkoholkonsum und Medikamenteneinnahme. Hierbei ist Geschick im Umgang mit dem Patienten erforderlich, da dieser oft nur ungenaue, ausweichende Antworten gibt. Auch Kontakte mit chemischen Substanzen am Arbeitsplatz müssen erfragt werden. Eine große Zahl neurologischer Erkrankungen werden durch chronische Intoxikationen, z. B. mit Blei, Pflanzenschutzmitteln o. a., hervorgerufen. Schließlich sollte nach Reisen, Impfkomplikationen und allergischen Reaktionen gefragt werden, um beispielsweise einen Zeckenbiss oder eine Überempfindlichkeit gegen Dinge des täglichen Bedarfs als Ursache einer neurologischen Erkrankung auszuschließen.

Akute Beschwerden

Die Schilderung der augenblicklichen Beschwerden sollte Auskunft geben Über das zeitliche Auftreten (Tag/Nacht; akut/subakut), Über Begleitsymptome wie Fieber, Schmerzen, Bewusstseinsstörung, Über den Verlauf (chronisch progressiv, schubförmig-remittierend), über Abhängigkeit, bzw. verschlimmernde oder verbessernde Faktoren.

Falls Schmerzen bestehen, muss eine genaue Schmerzanalyse vorgenommen werden: Ist der Schmerzcharakter dumpf, diffus, spitz, einschießend oder hell? Tritt der Schmerz anfallartig, wellenförmig, als Dauerschmerz, abhängig von Lage oder Bewegung auf?

Besonders wichtig ist die Lokalisierung der Beschwerden, um zu sehen, ob sie in Zusammenhang mit dem Versorgungsgebiet eines peripheren Nervs stehen oder ein anderes Verteilungsmuster aufweist.

Vegetative Begleitsymptome

Wie bereits oben erwähnt, sollte der Therapeut die vegetativen Funktionen des Patienten sehr sorgfältig beachten, da sie diese neurologischen Erkrankungen oftmals eine große diagnostische Bedeutung haben. Gefragt werden muss daher nach Schlafschwierigkeiten, Appetit, Durst, Wasserlassen, Stuhlgang, Libido und Potenz.