Krankheitsbilder


Depressionen

Etwa jeder dritte Patient, der einen Arzt aufsucht, leidet an einer Depression; in der Hälfte der Fälle wird das Krankheitsbild allerdings nicht erkannt. Um die Diagnose "Depression" stellen zu können, müssen neben psychischen auch psychomotorische und somatische Symptome vorliegen.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Depression:

Die neurotische Depression.

Die reaktive Depression (depressive Anpassungsstörung), die im Zusammenhang mit Lebensgeschichtlichen Ereignissen wie Umzug, Partnerverlust etc. auftritt. Sie zeichnet sich durch eine leichtere, vorübergehende Form der depressiven Symptomatik aus und bewirkt keine dauerhaften Beeinträchtigungen.

Die endogene Depression (oder bipolare Depressionen) ohne erkennbar auslösende Ursache. Sie kann einmalig oder in Episoden auftreten und führt aufgrund intensiver psychischer und körperlicher Beschwerden zu einer massiven Beeinträchtigung des Betroffenen.

Die larvierte Depression, bei der körperliche Beschwerden die depressive Symptomatik überdecken; z. B. Magenschmerzen oder Rückenschmerzen, für die keine organische Ursache gefunden werden kann und die einer somatischen Therapie nicht zugänglich sind.



Celebrale Durchblutung

Cerebrale Durchblutungsstörungen sind meist die Folge einer Arterienverkalkung im Gehirn, der sog. Cerebratsklerose. Sie machen sich zunächst durch Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel oder Depressionen bemerkbar. Wenn die Erkrankung fortschreitet, können Thrombus Bildung und Gefäßverschluss das klinische Bild einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA) auslösen. Dieser kurzzeitige Gefäßverschluss führt, je nach Lokalisation der betroffenen Hirnarterie, für wenige Minuten oder Stunden zu Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen in einem Körperteil, zu Seh- oder Sprachstörungen, zum Teil sogar zu einer kurzen Bewusstlosigkeit.

Differentialdiagnostisch müssen hiervon Synkopen (Ohnmachtsanfälle) anderer Genese, z. B. bei einem Karotis-Sinus-Syndrom, bei Herzrhythmusstörungen oder bei einer Hypoglykämie unterschieden werden.

Bleibt der komplette Gefäßverschluss Länger als 24 Stunden bestehen, spricht man von einem Schlaganfall (Apoplex). Die neurologischen Ausfälle dieser Durchblutungsstörung sind vom Sitz des Hirninfarktes abhängig; oft kann anhand der vorliegenden Symptomatik das betroffene Gefäß bestimmt werden. Die Diagnose ist in den meisten Fällen aufgrund des klinischen Bildes zu stellen. Es empfiehlt sich, eine Computertomographie (CT) oder eine Arteriographie durchzuführen, um gegebenenfalls bei einer Gehirnblutung die operativen Chancen einschätzen zu können.



Störungen

Unter den homöopathischen Komplexmitteln haben sich vor altem Secale cornutum oplx (3mal täglich 15 Tropfen) und Kalium jodatum oplx (3mal täglich 10 bis 15 Tropfen) zur Therapie der Arteriosklerose bzw. der zerebralen Durchblutungsstörungen bewährt. Handelt es sich bei den Patienten um Hypertoniker mit Apoplexgefahr, ist es ratsam, Vasotonicum oplx oder Crataegus oplx jeweils in einer Dosierung von 3maL täglich 15 Tropfen, dazuzugeben. Die Behandlung nach einem apoplektischen Insult sollte mit täglichen Injektionen von Arnica oplx (zum Abschwellen) und Zincum cyanatum oplx (1 bis 2 ml) begonnen und später auf 3mal täglich 20 bis 25 Tropfen umgestellt werden.

Für den Verlauf und die Prognose eines Apoplexes ist es äußerst wichtig, direkt nach dem Ereignis eine entwässernde Behandlung, z. B. mit intravenösen Reparil-injektionen, einzuleiten. Allerdings müssen eventuelle Kontraindikationen streng beachtet werden.



Verlauf der Blutgefäße im Kopf

Schon bei dem Verdacht auf ein apoplektisches Geschehen sollten Körper- und Zimmertemperatur kontrolliert und durch physikalische Maßnahmen möglichst niedrig gehalten werden, um Verlauf und Prognose zu verbessern.

Bei allen Schlaganfall-Patienten muss möglichst frühzeitig mit einer physikalischen Therapie (Massagen, Elektrotherapie) begonnen werden, um Muskelverkrampfungen vorzubeugen. Bei Patienten mit Lähmungen sollten außerdem aktive Bewegungsübungen oder Wassergymnastik unter Anleitung einer Krankengymnastin durchgeführt werden.



Neuralgien, Ätiologie und Diagnostik

Als Neuralgie bezeichnet man einen attackenartig auftretenden, heftigen, "hellen" Schmerz, der im Ausbreitungsgebiet eines sensiblen oder gemischten Nerven lokalisiert ist. Sensibilitätsausfälle gehören nicht zum klinischen Bild. Von einer essentiellen Neuralgie spricht man, wenn keine Ursache nachweisbar ist. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die TrigeminusrieuraLgie. Sie ist gekennzeichnet durch eine sekunden- oder minutenlange, schwere Schmerzattacke im Bereich der sensiblen Äste des N. Trigeminus. Ausgelöst wird ein solcher Anfall meist durch Berühren eines Triggerpunktes oder durch Aktivitäten wie Kauen oder Zähneputzen. Von einer essentiellen Trigeminusneuralgie sind in erster Linie Erwachsene Übergebühren des 50. Lebensjahres betroffen.

Von einer symptomatischen Neuralgie spricht man, wenn die Schmerzen durch eine mechanische, toxische oder infektiöse Schädigung der Nerven ausgelöst werden z. B. Trigeminusneuralgie bei Zahnerkrankungen oder nach Herpeszoster-Infektion. Zu dieser Gruppe gehören auch Intercostalneuralgien oder Ischiasneuralgien.

Die Diagnose lässt sich normalerweise bereits anhand der Anamnese stellen. In seltenen Füllen kann bei der Trigeminusneuralgie jüngerer Patienten auch eine Multiple Sklerose zugrunde liegen.

Gelsemium oplx gilt als Mittel der Wahl bei allen neuralgiformen Beschwerden. Besonders bewährt hat es sich bei Trigeminus- und Zosterspätneuralgien, bei denen im akuten Schmerzstadium 1 bis 2 Ampuften täglich subcutan injiziert werden sollten. Bei Zahnneuralgien ist es ratsam, Gelsemium oplx mit Aranea oplx in folgender Dosierung zu kombinieren: zu Beginn 10 bis 15 Tropfen alle 10 - 20 Minuten, nach Besserung 3maL täglich 15 Tropfen.

Eine Kombination mit Rhus toxicodendron oplx ist nicht nur bei rheumatisch-neuralgischen Beschwerden zu empfehlen, sondern auch bei Trigeminusneuralgien (vor allem rechtsseitig). Tritt eine Trigeminusneuralgie bei Patienten mit blauer Iris und kleiner Pupille auf, kann zusätzlich noch Sumbulus oplx gegeben werden, während Patienten mit kleiner Pupille und brauner Iris besser auf eine Kombination mit Torantulo oplx, und Patienten mit großer Pupille besser auf eine Kombination mit Lobelia opLx ansprechen. Bei linksseitiger Trigeminusneuralgie sollte eine Mischung aus Gelsemium oplx, Aranea opix und Ranunculus oplx eingesetzt werden.



Neurologische Untersuchung

Die Körperhaltung des Patienten sowie der spontane Bewegungsablauf beim Gehen können bereits während der Anamneseerhebung beobachtet und gewertet werden. Für die neurologische Untersuchung selbst empfiehlt es sich, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, um Auslassungen zu vermeiden und dem Patienten einen häufigen Lagewechsel zu ersparen.

Allgemeinbefund in der allgemeinen internistischen neurologischen Untersuchung des Patienten sollte auf einige Punkte besonderes rolliert. Augenmerk gerichtet werden: z. B. Messung der peripheren Pulse zur Beurteilung der Durchblutung, beidseitige Blutdruckmessung, Erhebung von trophischen Störungen der Haut und der Nägel.

In der anschließenden Inspektion und Palpation von Kopf, Wirbelsäule und Gelenken ist vor allem auf Willkürbewegung, Bewegungseinschränkung und umschriebene, konstant reproduzierbare Schmerzempfindlichkeit (z. B. im Bereich eines Wirbelkörpers) zu achten.

Zur Prüfung der Motorik gehören einerseits die Inspektion der Muskulatur, bei der Asymmetrien oder Faszikulieren bereits wichtige Krankheitshinweise sein können, und andererseits die Funktionsanalyse. Indem man den Patienten Bewegungen gegen Widerstand durchführen l lässt, können Ausmaß und Lokalisation von Lähmungen bestimmt werden.

Der Muskeltonus (Spastik, Rigor, Atonie) wird entweder durch passives Bewegen im Liegen oder durch Pendelbewegungen der Arme oder Beine im Sitzen kontrolliert

Um Koordinationsstörungen (Ataxie) nachzuweisen, gibt es eine Reihe bewährter Testversuche, die alle zunächst mit offenen und anschließend mit geschlossenen Augen durchgeführt werden.

Gangprobe (Gehen auf einer geraden mit voreinander gesetzten Füßen)

Standprüfung (mit parallel zusammengestellten Füßen und ausgestreckten Armen bei geschlossenen Augen ruhig stehenbleiben)



Finger-Nasen-Versuch

Knie-Hacken-Versuch (Ferse wird exakt auf die Kniescheibe aufgesetzt und dann das Schienbein hinuntergeführt.
Bei neurologischen Erkrankungen können Reflexe sowohl gesteigert als auch abgeschwächt auslösbar sein. Die Erhebung des Reflexstatus ist daher von großer Bedeutung. Unterschieden werden Eigenreflexe (Muskeldehnungsreflexe), wie beispielsweise Achillessehnen-, Biceps- oder Quadriceps-Reflex, und Fremdreflexe (Bauchhautreflex). Pyramidenbahnzeichen sind u. a. das Babinski-Phänomen, der Fuß-Klonus oder der Trämner-Reflex.



Untersuchung der Hirnnerven

Zu jeder neurologischen Untersuchung gehört die Kontrolle der Hirnnerven. Es sollte immer der anatomische Nachbar der Nerven, bei dem eine Störung vermutet wird, mit untersucht werden. Einige Nerven können zusammen geprüft werden (Nn. oculomotorius, trochlearis und abducens); bei anderen, z. B. bei N. trigeminus oder N. faciatis, müssen sensible und motorische Nervenariale getrennt geprüft werden. In Zweifelsfällen ist ein Neurologe zu konsultieren.

Sensibilitätsprüfungen werden im Gesicht, am Rumpf und an den vier Extremitäten vorgenommen. Dabei wird auf Berührung, Druck, Schmerz und Temperatur sowie bewegte Berührungsreize, Lagesinn und Vibration untersucht. Eine Sensibilitätsprüfung muss immer seitenvergleichend durchgeführt werden, um die von Patient zu Patient differierende Wahrnehmungsfähigkeit richtig beurteilen zu können.

Klinisch unterscheidet man folgende Parameter: Oberflächen- und Tiefensensibilität, Tasterkennen, Parästhesie und Schmerzsyndrome.

Die häufigste spezifisch-neurologische Untersuchung ist die Lumbalpunktion. Ihre Indikation ist großzügig zu stellen, da die meisten Erkrankungen aus diesem Fachgebiet mit einer Veränderung des Liquors einhergehen (Kontraindikation: Hirndruckzeichen!). Diese Untersuchung ist stationär durchzuführen.

Die Zahl der übrigen Hilfsuntersuchungen ist groß. Sie reicht von der einfachen Röntgen-Aufnahme, über CT- und Kernspin-Untersuchung, Angiographie, EEG, EMG und Myelographie, Doppler- und Duplex Untersuchungen, bis hin zu Positronen-Emissionstomographie (PET) und Biopsie. Alle diese Maßnahmen haben ihre Gefahren. Sie sollten daher immer nur gezielt zur differentialdiagnostischen Klärung bei einem Patienten eingesetzt werden



Neurosen, Psychose

Neurosen und Psychosen sind meist nicht-organisch bedingte psychische Erkrankungen. Während bei einer Neurose keine Störungen der Erkenntnis- oder Wahrnehmungsfähigkeit vorliegen, gehören Halluzinationen oder Wahnvorstellungen zum klinischen Bild der Psychose. Die exakte Abgrenzung der beiden Krankheitsbilder voneinander ist fast immer möglich. Als Ursache einer Neurose wird die gestörte Verarbeitung unbewusster Konflikte diskutiert. Für den Patienten wird es problematisch, wenn ihn diese neurotische Konfliktverarbeitung an einer aktuellen Problembewältigung hindert. Zu den klassischen neurotischen Störungen werden Charakterneurose (z. B. Hypochondrie), Zwangsstörung, Phobie, Angstneurose und Konversionssyndrom (hysterische Neurose) gezählt.

Für die Entstehung von Psychosen werden neben organischen Ursachen wie Trauma, Operation oder Stoffwechselstörung auch Alkohol- oder Drogenmissbrauch und früh erworbene Störungen der Wahrnehmung und der Außenweft verantwortlich gemacht. Zu den klassischen psychotischen Krankheitsbildern gehören Schizophrenie, manisch-depressive Erkrankung und paranoide Psychose.

Ein großer Teil der Neurosen belastet das Leben des Betroffenen nur am Rande, so dass eine Therapie nicht notwendig ist. Wenn jedoch behandelt werden muss, dann steht die Psychotherapie an erster Stelle. Mit einer Verhaltenstherapie lassen sich beispielsweise gute Erfolge bei der Behandlung der Phobien erzielen. Angststörungen sollten nur im Ausnahmefall medikamentös angegangen werden, da bei allopathischen Medikamenten, wie Tranquilizern, unter anderem die Gefahr der Gewöhnung besteht. Homöopathisch kann ein Therapieversuch mit Sumbulus opix oder Lobelia oplx unternommen werden.

Die Behandlung einer Psychose richtet sich nach deren Ursache. Während bei manisch-depressiven Krankheitsbildern die Lithiumgabe als Standardtherapie gilt, werden andere Psychosen, z. B. die Schizophrenie, überwiegend mit Neuroleptika behandelt. Psychische und motorische Unruhe sowie nervöse Ticks bei Kindern sprechen gut auf zwei homöopathische Komplexmittel an: Agaricus oplx und Tarantula opix (jeweils 3mal 15 Tropfen täglich). Sie können einzeln oder in Kombination verabreicht werden.



Schlafstörungen

25 % alter Patienten, die den Hausarzt aufsuchen, klagen über Schlafstörungen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei einem Teil dieser Patienten handelt es sich um eine Schlafwahrnehmungsstörung, d. h. die subjektive Erwartung an den Schlaf entspricht nicht dem tatsächlichen Schlafbedürfnis. Von einer echten chronischen Schlafstörung spricht man, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:



Die meisten Schlafstörungen sind funktioneller Natur, das heißt, es liegt ihnen keine organische oder psychische Erkrankung zugrunde. Sie können sich als Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, als sehr frühes Erwachen oder wenig erholsamer Schlaf manifestieren.

Zu den wichtigsten Ursachen einer Schlafstörung zählen:



Eine medikamentöse Behandlung mit Tranquilizern oder Hypnotika darf immer nur von kurzer Dauer sein, da auch bei niedriger Dosierung sehr rasch eine Gewöhnung eintritt. Stattdessen sollte der Patient nicht-medikamentöse Verfahren, wie Entspannungstechniken, erlernen, die Schlafhygiene (siehe Tabelle) verbessern oder eine psychotherapeutische Behandlung beginnen.

Schlafhygiene und Psychoindukation

Einhalten der individuell notwendigen Schlafmenge, regelmäßige Schlafzeiten, Verzicht auf Mittagsschlaf, angenehme Schlafbedingungen (Temperatur, Lärm, Licht), kein Essen zu später Stunde, kein Koffein abends, Alkohol- und Nikotinkarenz, 4 Stunden vor dem Schlafengehen körperliche Bewegung, entspannende Abendgestattung, bewusstes Zubettgehen, nicht mit dem Ziel zu schlafen, sondern zu entspannen Anwendung von Entspannungsverfahren, Autogenes Training; (Jacobson).